Geschichte des Klosters Maria Hamicolt

Anna Maria HamicoltMaria Anna Schulze Hamicolt aus Senden (* 28. Juni 1803) vermacht der Diözese Münster aus ihrem Erbe 25 Morgen Land für die Gründung eines Klosters. Der Bau des Wohnhauses beginnt im Jahr 1852. Im darauffolgenden Jahr, am 25. Juli 1853, stirbt die Stifterin.      

Auf Bitten des Münsteraner Bischofs eröffnen die Redemptoristen (gegründet 1732 von Alfons von Liguori in Rom) am 25. April 1856 in dem noch nicht fertig gestellten Haus ihre erste Niederlassung in Westfalen. Mit  tatkräftiger Unterstützung der Bauern aus der Umgebung errichten sie das Kloster mit einer dreischiffigen Kirche in neuklassizistischen Stil. Am 2. August 1865 wird diese unter dem Patronat der „Unbefleckt empfangenen Gottesmutter“ konsekriert. Das Fresko in der Apsis wurde 1863 von Edward von Steinle geschaffen und stellt die  Frau aus der Apokalypse umgeben von Heiligen dar, links Theresia von Avila und Josef, rechts Johannes und Maria Magdalena.

Am 21. Juni 1868 bringen die Patres eine der ersten handgemalten Kopien der Ikone „Mutter Gottes von der immerwährenden Hilfe“ aus Rom mit, die eigens von Papst Pius IX für das Kloster gesegnet worden ist. Auf ihren Gemeindemissionen verbreiten die Patres von hier aus das Bild. Durch den Kulturkampf werden die Redemptoristen 1873 aus dem Kloster verbannt. Der Gottesdienst wird von Diözesangeistlichen übernommen.

alte Kirche mit SchwAls die Orden, die ins Exil geflohen waren, nach Deutschland zurückkehren können, verzichten die Redemptoristen wegen der abgeschiedenen Lage auf Hamicolt. Der Bischof übergibt das leerstehende Kloster den „Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung“ aus Oldenzaal in Holland. Dieser benediktinische Zweig wurde 1653 in Frankreich gegründet. Sieben Schwestern ziehen am 2. August 1891 ein und beginnen ein monastisches Leben mit Chorgebet, ewiger Anbetung und Arbeit in Haus und Landwirtschaft. Bald werden auch eine Hostienbäckerei und eine Paramenten- Werkstatt betrieben. Die Schwesterngemeinschaft wächst rasch, sodass es möglich wird von Hamicolt aus 1898 das Kloster Vinnenberg im Kreis Warendorf und 1902 das Kloster Varensell in der Diözese Paderborn zu gründen. Auch die benachbarte Benediktinerabtei Gerleve kann auf Vermittlung der Schwestern durch die Erzabtei Beuron 1899 gegründet werden.

Viele Menschen fühlen sich durch das Gebet der Schwestern getragen. Auf den Ausbruch des Ersten Weltkrieges reagieren die Schwestern mit einer Intensivierung ihrer Gebete und nehmen zeitweise Kriegskinder zur Pflege auf. Im Zweiten Weltkrieg finden vertriebene Schwestern aus anderen Klöstern und Menschen aus dem zerbombten Dülmen Unterkunft. Obwohl Gerleve und Vinnenberg gerade durch die Nazis aufgelöst wurden, können die Schwestern im August 1941 ihr 50-jähriges Jubiläum feiern. Als der Bischof Clemens August von Galen am 4. August 1941 die Festansprache hält, hatte er am Vortag die letzte seiner drei berühmten Predigten gehalten (siehe Gedenkbild an der gegenüberliegenden Kirchenwand).

BenediktinerinnenIm Jahr 1963 erfolgen umfassende Renovierungsarbeiten der Kirche: Der Nonnenchor wird in das Hauptkirchenschiff und der Altar in den jetzigen Eingangsbereich verlegt, damit auswärtige Besucher die Liturgie von der neu errichteten Außenkapelle aus verfolgen können. Dies erweist sich allerdings als Zwischenlösung; 1990 wird der Altar zurückverlegt. 1969 geben die Schwestern die Landwirtschaft auf und errichten 1975 anstelle der Wirtschaftsgebäude ein Gäste- und Exerzitienhaus. 

Das 100-jährige Jubiläum der Niederlassung wird 1991 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert. In seiner Festpredigt dankt Bischof Reinhard Lettmann den Schwestern für ihr Wirken, „die den Himmel über uns offenhalten“ (siehe Gedenkbild gegenüber). Aus Altersgründen ziehen die Schwestern 2008 in ein Altenpflegeheim. 297 Benediktinerinnen lebten in über 116 Jahren im Kloster Maria Hamicolt.

Kloster HamicoltAm 1. März 2008 übergibt Bischof Lettmann das Klostergebäude der „Gemeinschaft des neuen Weges vom hl. Franziskus“, damit es weiterhin „ein Ort des Hörens auf Gott“ bleibt. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft sind Laien aller Stände, die die Erneuerung des Glaubens nach den Weisungen des II. Vatikanischen Konzils in der heutigen Zeit leben und fördern wollen. Einige von ihnen wohnen hier, andere kommen regelmäßig zu geistlichen Treffen der Gemeinschaft. Die Hostienbäckerei wird selbständig weitergeführt und das Gästehaus kann von Selbstversorgern genutzt werden. Die Gemeinschaft lädt zu regelmäßigen Gottesdiensten und Anbetungsabenden sowie zu verschiedenen Veranstaltungen ein.

Foto Luftaufnahme: www.die-marquardts.com